Baukünstlerische Maxime des Architekturbüros Kada ist die Luzidität von Programm, Struktur, Raum und Bewegung – eine wechselseitige „Durchsichtigkeit“ aller gestalterischen Faktoren, die über eine rein technische, wörtlich verstandene Transparenz hinausreicht.
Seine Architektur sucht nicht die expressive Bauplastik, nicht das Drama von Licht und Schatten auf der Materialität der Volumina.
Sie formt aus dem offenen, allgegenwärtigen Raum jeweils spezifische Aggregatzustände der Diffusion zwischen Innen und Außen. Und sie bewerkstelligt dies durch die Auflösung der herkömmlichen Tektonik, durch ein komplexes Spiel von Hüll – und Reflexionsflächen,
von transparenten, transluzenten oder opaken Membranen.
Nicht die materielle Präsenz dieser Bauten oder ihre konstruktive Eleganz an sich wirkt ästhetisch.
Solche Aspekte sind vielmehr Teilmengen, Folgewirkungen, einer übergeordneten Konzeption.
Seit zwei Jahrzehnten folgt Kadas Ouvre einem Leitbild von Baukunst, das am ehesten mit dem
von Laszlò Moholy Nagy geprägten Begriff des „Licht-Raum –Modulators“ zu fassen ist.
In diesem Sinne aktualisiert Kada Positionen der klassischen Moderne, und er fügt diesen seine persönliche Sicht und eine nachmoderne, neue Sicht hinzu.
Im Gegensatz zu seiner Architekturauffassung, die kompakte Körper definiert, oder ein Raumprogramm in wie auch immer aufgelockerte oder differenzierte skulpturale Gestalt setzt,
folgt er einer Architekturhaltung, die danach trachtet, die Gebäudemasse in unabhängige Flächenteile aufzulösen, den Raum aus einer Choreografie von klaren Schichten und Flächen aufzuspannen und so eine vielfältige, innige Durchdringung von Außen- und Innenraum entstehen zu lassen.
Die größtmögliche Transparenz aller Übergänge und Raumgelenke zu erreichen ist hier das Ziel.
An keiner Stelle soll der Kontakt zum Außenraum verloren gehen, an keiner Stelle soll der rhythmische Fluß von Licht und Raum durch eine tektonisch-massiv aufgefasste Wand unterbrochen werden. Jede Hüll- und Teilfläche des Gebäudes, ob horizontal oder vertikal, ist da im ganzen Wortsinn transitorisch aufgefasst, auf jeweils für die Vermittlung zwischen „davor“ und „dahinter“, zwischen Auflicht und Durchlicht konditioniert.


Otto Kapfinger