EUROPÄISCHE AKADEMIE BOZEN

Bauherr:
Europäische Akademie Bozen, Italien
Präsident Dr. Werner Stuflesser
Direktor Dr. Stephan Ortner
Dr.Arch. Stephan Dellago, Projektsteuerung


Generalplanung, Architekt:

Univ.Prof.Arch.DI Klaus Kada, A-Graz

Künstlerische Farbgestaltung:
Manfred Mayer (Südtirol)


Wettbewerb Auslobung: Mai 1995
Planungsbeginn: April 1996
Spatenstich: November 1998
Übergabe: September 2002
NGF Kellergeschoß: 2.690,40 m2
NGF Erdgeschoß: 2.747,07 m2
NGF Zwischengeschoß: 1.059,12 m2
NGF 1. Obergeschoß: 2.039,57 m2
NGF 2. Obergeschoß: 1.252,90 m2
NGF 3. Obergeschoß: 544,67 m2
NGF gesamt: ca. 10.333,73 m2
Gesamtbaukosten: ca. € 42 Mio (inkl. Einrichtung, EDV, Multimedia)

Kontaktarchitekten:
Dr.Arch.Manfred Wachter, I-Bozen
Dr.Arch. Günther Plaikner

Team:

Erwin Matzer † (Projektleitung)
Heribert Altenbacher (Projektleitung),

Helena Weber-Albrecher (Projektleitung)
Ronald Schatz (TGO)

Michael Dejori

Josef Ebner

Peter Eppich

Alexander Forsthofer

Irmgard Kolle,
Rosi Kueng-Freiberger

Elia Nedkov

Martin Pallier-Rosenberger

Peter Rous

Claudia Schmidt

Herbert Schwarzmann

Peter Szammer

Angela Uhl

Gerhard Zehner
Hubert Schuller (Modell)

Mayer (Südtirol)

Der Komplex der "Casa della Giovane Italiana" wurde 1934-35 nach den Plänen der Architekten Francesco Mansutti und Giuseppe Miozzo errichtet. Er zählt zu den bedeutendsten baulichen Dokumenten der Mussolini-Ära in Bozen. Als Erziehungs- und Propagandainstitution formte die Anlage in exponierter Position am Ufer der Talfer mit der neuen Drususbrücke eine städtebauliche Spange zwischen der äußeren Altstadt und der im Entstehen begriffenen Neustadt am anderen Ufer.
Ein 1995 durchgeführter internationaler Wettbewerb sollte hier das Raumprogramm der neu gegründeten "Europäischen Akademie" als Revitalisierung und Erweiterung des denkmalgeschützten Ensembles und damit die gesamte urbanistische Situation neu definieren.
Das siegreiche Projekt von Klaus Kada ergänzt den Altbestand mit drei neuen Trakten, die über transparente Gelenkbauten an die Altbauten anschließen. So wird die Eigenständigkeit des Bestandes geklärt und dessen rekonstruierte Substanz mit den Neubauten zu einer Symbiose der Moderne verbunden. Der Verlauf der neuen Gebäudekanten nimmt hierbei die Straßenfluchten auf, formuliert die Uferpromenade und setzt sich räumlich in Beziehung zur gegenüberliegenden Stadtsilhouette.

Das Verhältnis des neuen Ensembles zum Außenraum ergibt eine Umkehrung der gegebenen landschaftlichen Situation. Der Platz im Nordosten, am Brückenkopf, wird städtisch, steinern ausgebildet, mit glatten Oberflächen und klaren zweckgebundenen Bereichen. Seine Härte stößt an die Uferkante, die als städtische Grünachse ausgebaut wird und durch das neue Gebäude eine wichtige städtebauliche Zäsur erhält. Im Gegensatz dazu steht der südliche Hofraum, der landschaftliche Motive aufnimmt und zum Teil mit Bäumen bepflanzt wird.

Durch die weitgehende Freihaltung des ursprünglichen Hofgeländes, die Überzeichnung und Korrektur der Verbindungselemente und die angestrebte vollkommene Wiederherstellung des Originalzustandes erweist das Projekt dem rationalistischen Baubestand die größtmögliche Achtung.
Ein glasüberdachter, unterirdischer Gang fungiert als halböffentliche Achse und schließt das Institutsgebäude und die Bibliothek im Westen über die Seminarräume im Kellergeschoß des Altbaus mit den Institutsflächen im Osten, dem alten Auditorium und dem neuen Hörsaal zusammen.
Die Seminarräume bilden gemeinsam mit dem Sprachlabor und dem Hörsaal für 180 Personen die Infrastruktur für Tagungen und Kongresse, welchen bei Bedarf das große Auditorium zugeschaltet werden kann.

Die großzügige Eingangshalle mit Infobüro, Tagungssekretariat und Café fungiert als Foyer und Ausstellungsort. Sie verspricht durch ihren repräsentativen Charakter und ihre Positionierung, ein wichtiger städtischer Kristallisationspunkt zu werden. Die vertikale Schichtung der Institutsgeschoße erlaubt einen reibungslosen Ablauf von akademieinternen und akademieexternen Funktionen.
Die Bibliothek ist über den bestehenden Zugang im Turmgebäude an der Drususallee sowohl für die Öffentlichkeit als auch - über ihre Anbindung am Kreuzungspunkt der internen Erschließung - für die Akademiemitglieder erreichbar. Im ehemaligen interessant belichteten Turnsaal ist die Freihandbibliothek situiert. Zwischen dieser und dem neuen viergeschoßigen Institutsgebäude übernimmt ein aus gewinkelten Betonflächen bestehendes Raumkontinuum den Zugang, Lese- und CD-Plätze sowie Kommunikationsbereiche.
Die neuen Raumeinheiten der Gesamtanlage sind so angeordnet, daß verschiedene Funktionen und Bereiche wie Saal, Bibliothek, Café und vor allem das Auditorium – in seiner volumetrischen Aussage völlig erhalten - extern erschlossen und als eigene Veranstaltungsorte genutzt werden können.
Der gesamte Neubau wird als Stahlbeton-Skelettbauweise mit aussteifenden Kernen und gläsernen Klimahüllen durchgeführt.


Otto Kapfinger