Wettbewerb 2004, 1.Preis
Auftraggeber: :Bayerisches Textil- und Industriemuseum
In Bau

Fertigstellung: März 2009

Bausumme: :11 Mio. EUR
NF: ::9.100 m²

Team Wettbewerb: Ronald Schatz, Heribert Altenbacher, Roger Christ, Claudia Schmidt, Gerald Seiner, Franziska Euterneck, Barbara Hatzenbichler
Team Realisierung: Ronald Schatz, Gerald Seiner, Doris Loidfellner, Josef Ebner, Barbara Hatzenbichler, Christiane Wencke, Kilian Kada, Gwenola Gingre, Peter Rous

Eine Beschreibung der Planungsabsicht des Projektes Textilmuseum Augsburg wäre zuwenig, wichtig erscheinen mir vorerst Überlegungen im Vorfeld und den Zugang zu dieser Aufgabe darzulegen, sodass dadurch das Gesamtkonzept in seiner Konsequenz deutlich wird.

Dieses „stoffliche“ Thema, als Aufgabe für ein Museum, ist für Architekturschaffende ganz besonders interessant, da dieses Material, das Textil, in seinem vorwiegenden Verwendungszweck als Bekleidung, Gewand und Hülle genutzt wird. Ein Material, das unter funktionalen und ästhetischen Aspekten gestalt- und auch raumbildend wirksam wird und darüber hinaus auch Schutz bietet. Man kann diesen Stoff auch als Element der Architektur betrachten, der auch in der Moderne zunehmend Verwendung findet. Wobei verschiedenste Gewebe und Flechtungen schon seit Urzeiten ein Bestandteil des Bauens waren.
Die Herstellung und Entwicklung der Textilien über Jahrtausende zeigen ein präzises Bild deren Geschichte und Epochen. Diese Techniken dokumentieren Lebensformen mit ihren verschiedenen Bedürfnissen und Notwendigkeiten und sind zeitlich genau nachzuvollziehen.

Das andere Thema, die ehemalige Erzeugungsstätte, der Ort der Produktion in ihrer gesamtheitlichen Anlage zeigt nunmehr deutlich lesbar die analoge geschichtliche Entwicklung der Architektur des Industriebaues seit den 30-iger Jahren des 19. Jahrhunderts. Eine ganze Industriestadt wurde gebaut, umgebaut, zerstört und wieder aufgebaut und existiert nunmehr als Denkmal vergangener Zeit.
Diese Anlage hat aufgehört zu produzieren und wird einer anderen Nutzung zugeführt.
Ein Industriekomplex mit allen Insignien der maschinellen Herstellung eines Produktes, aber auch im besonderen Masse eine Anlage, die durch Baukonstruktion, Formgebung und Ästhetik prägnant Entstehungszeiten und Veränderungen lesbar macht und in ihrer Heterogenität zur Einheit wird.
Das Erhalten dieser Gebäude mit einer neuen musealen Nutzung und mit den notwendigen Veränderungen macht sie selbst zum Exponat. Es erfährt eine gleiche oder ähnliche Behandlung wie alle Ausstellungsexponate dieses zukünftigen Museums.
Für diese Umnutzung sind Eingriffe notwendig, die über die Sicherung und Bewahrung der Anlage hinausgehen, die nunmehr wiederum eine neue Baugeschichte erzählen.
Diese Reparatur und das neue Notwendige soll im Sinne der alten Substanz ebenso erkennbar ihre Herstellungszeit darstellen. Die Errichtung des Textilmuseums Augsburg ist der erfolgreiche Beginn für die große Idee, das gesamte Industrieareal mit einer neuen urbanen, kulturellen Nutzung als Erweiterung der Stadt anzusehen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.




Das architektonische Konzept für die Umnutzung besteht aus der Wahrung der heterogenen Substanz der verschiedenen Bauteile, dessen historische Zäsuren deutlich gemacht und zum räumlichen Thema konzipiert werden. Der Zwischenraum zwischen dem älteren Geschossbau und der, nach dem zweiten Weltkrieg errichteten, konstruktiv interessanten Shedkonstruktion dient als Achse und zentraler Raum des Museums. Die hallenartig phantastischen Räume fließen damit zusammen und bilden ein Raumkontinuum für eine großzügige Nutzung.
Viele mögliche Ausstellungswege und eine neue Infrastruktur ermöglichen eine flexible Nutzung der Flächen. Alle Baustrukturen und Details bleiben sichtbar und werden somit integrierender Teil der Ausstellung.
Das geplante Erschließungskonzept ermöglicht verschiedene Bereiche und Ausstellungen horizontal und vertikal zu verbinden und anzupassen, sodass verschiedene Rundgänge und Präsentationen ermöglicht werden.


Ein Fixpunkt für das Museum ist der Eingangsbereich, der vor der Ausstellung die Funktionen eines Cafes, Shops, einer Information, Kassa, Garderobe und pädagogisch didaktische Einrichtungen aufnimmt.

Als neues zeichenhaftes Element dient ein Auditorium, welches im neuen zweigeschossigen Bereich des Einganges ein bekleidetes Volumen darstellt.
In der Achse unter dem neuen Shed bekommt der Besucher den ersten Eindruck der Gesamtanlage. Hier befindet sich auch, teilweise über zwei Geschosse, das Kernelement des Museums, das wertvolle Stoff- und Musterdepot, welches als Schatzkiste dargestellt am Ende der Achse ein weiteres Zeichen setzt.

An der Westseite des Museums, in der Provinostraße befindet sich die Anlieferung und der interne zweite Eingang mit einer vertikalen Transporterschließung. Sie bildet den Abschluss der neuen Achse, welche als durchgehendes neues Shed konzipiert ist, und hier zeichenhaft nach Außen den einzigen Eingriff in die Substanz sichtbar macht.
Die Fassade des Gebäudes, als ungemein großzügig verglaster Bestand, wird restauriert und in den ursprünglichen Zustand versetzt. Sie ist in ihrer Gesamtheit ein hervorragendes und adäquates Eingangssymbol für die neue Industriestadt.