GLASMUSEUM BÄRNBACH


Landesausstellung Glas und Kohle

Wettbewerb 1.Preis


Adresse des Projektes: Bärnbach - Steiermark
Baubeginn: 1987
Bauende: 1988
Kosten: öS 12.500.000.—

Team:

Gerhard Mitterberger, Johann Reiterer,
Josef Ebner, Güther Gebhardt,
Elisabeth Steiner, Dieter Feichtinger,
Peter Haimerl, Gerd Lorber


Fotografen:


Angelo Kaunat



In einem geladenen Wettbewerb war hier die Aufgabe gestellt, einen Ausstellungsbau für das
Thema "Glas und Kohle" am Betriebsgelände der Glasfabrik Bärnbach zu konzipieren, der in weiterer Folge als Glasmuseum und kultureller Anziehungspunkt genutzt werden sollte, um einer krisengeschüttelten Region neue Impulse zu geben.
Ausgangspunkt und Kern der Anlage bilden ein Generatorgebäude im Eingangsbereich der Bärnbacher Glasfabrik. Dieses Dokument des Industriebaus der 50er Jahre, ein Stahlbetonsekelett, wurde erhalten und als "objet trouvé" und Ausstellungsstellage aufgefaßt. Umhüllende Flächen, die sich entlang städtebaulicher Linien entwickeln, spannen den Innenraum in gegenläufiger Bewegung auf. Der einen Linie parallel zu Bahn und Fluß folgt die glasbedeckte Wand aus handgefertigten Plattenmaterial, das von einer filigranen Stahlkonstruktion getragen wird. Weggedreht von der "Ausstellungsstellage" erzeugt sie den Raum der Eingangshalle und zeigt in doppelter Referenz ihr Gesicht zur Stadt als "Glasplakat".
Eine Glasstele gleicher Ausbildung setzt den Angelpunkt zur Straßenfront entlang der zweiten städtebaulichen Linie. An dieser Linie wird der Abschluß der Halle durch eine pure, selbsttragende Glaskonstruktion gebildet, die in ihrer Materialität die Grenze gleichzeitig auflöst; städtischer Raum dringt in ein Haus ein und wird von außen erlebbar.
Es folgt eine massive Wand als flächiger Umriß der gerasterten Stellagefront in räumlicher Entfernung, eine Schicht, die sich durch die Ablösung vom Stahlbetongerüst in den Raum bewegt hat.
Die Gegenüberstellung von Durchsichtigkeit und Undurchdringlichkeit durchbricht ein plastisches Element, das in seiner schraubenlinienförmigen Öffnung nach oben räumliche Dynamik entwickelt.
Auch dieses Element ist Hülle, seine Bedeutung transparent. Die geschlossene Außenhaut besteht aus verzinktem Blech, einem Material, das sich in den schwebenden Dächern wiederholt und die Verbindung zum industriellen Ambiente herstellt.
Angesprochen wird das Thema der horizontalen und vertikalen optischen Bezüge, das sich durch den ganzen Entwurf in weiterer Konsequenz und Komplexität zieht. Das Gebäude manifestiert sich konträr zu einer Architekturauffassung, die kompakt und fassadenhaft den Körper definiert und daraus das Innere deduziert. Im Prinzip des Abrückens von Baukörpern und Teilen entstehen durch Glaszäsuren Zwischenräume aus Licht. So spannen Schichten bzw. Flächen, die sich aufeinander beziehen, den Raum auf.
An keiner Stelle geht der Bezug zum Außenraum, der damit dargestellt, und erlebbar gemacht wird, verloren. Raumgreifende Bewegung wird vom Licht geführt in der Überwindung der Ebenen. Diese Abfolge eines Weges läßt die Gesamtheit in allen Bereichen spürbar werden, zeigt immer wieder Durchblicke und Rückblicke, durchdringt letzten Endes die Konstruktion und bietet den Überblick auf alle wichtigen Punkte des Gebäudes und seiner Umgebung.
Der für dieses räumliche und konstruktive Konzept wesentliche Baustoff ist Glas. Somit ist das Gebäude selbst ein Exponat und Teil der Ausstellung.

Text: Otto Kapfinger